9-to-5 war gestern! Die neuen Trends im Arbeitsleben

Wir stehen morgens früh auf und gehen zur Arbeit. Dort sind wir mindestens acht Stunden. Wieder zu Hause angekommen, bleibt nicht viel Zeit für Freunde, Familie und Hobbys. Für viele Menschen ist das Realität. Allerdings entstehen gerade viele neue Möglichkeiten, die diese Realität infrage stellen. Ich habe mit den New Work Experten Nadine Nobile und Sven Franke darüber gesprochen, welche neuen Trends Einzug in das Arbeitsleben erhalten und wie sie diese selbst erleben und bewerten.

Trend Nr. 1 – Finde dich selbst. Mach ein Sabbatical!

„Es wird vielfältiger und lebendiger“, ist eine der ersten Beobachtungen, die Nadine in unserem Video-Telefonat mit mir teilt. Ein Beispiel dafür ist das Sabbatical. Nadine erzählt mir von Kollegen, die sich ganz unterschiedlich lange Auszeiten genommen haben, um Zeit für Dinge zu haben, die mit einem Vollzeitjob auf der Strecke bleiben. „Eine Kollegin ist direkt eineinhalb Jahre auf Weltreise gegangen“, berichtet sie mir. Das Sabbatical kann aber auch eine tolle Gelegenheit sein, um sich beruflich weiterzubilden.

Tipp der New Work Experten: Oft fehlt der Mut zum Gespräch mit dem Vorgesetzten. Oft höre ich Sätze wie: „Das hat bei uns noch niemand gemacht.“. Die beiden New Work Experten Nadine und Sven raten, flexibel zu sein und sich gut zu überlegen, warum man es machen möchte. Was für einen Mehrwert bringt das Sabbatical einem selbst, aber auch dem Unternehmen? Denn nur so könnt ihr euer Gegenüber von eurem Vorhaben überzeugen.

Ich selbst habe übrigens die Erfahrung gemacht, dass ein offenes Gespräch mit dem Arbeitgeber ganz unerwartete Lösungen bringen kann. Vor ein paar Jahren kam ein Mitarbeiter bei von Rundstedt auf seine Vorgesetzten zu und bat um ein Gespräch. Als sie sich zusammensetzten sagte er: „Ich kündige. Ich mache eine Weltreise!“ Seine Vorgesetzten reagierten ganz anders, als er dachte. Sie wollten ihn im Unternehmen halten und boten ihm an, eine gemeinsame Lösung zu finden. Und so konnte der Mitarbeiter seine Weltreise antreten und blieb von Rundstedt als Mitarbeiter erhalten – eine Win-Win-Situation.

Trend Nr. 2 – Arbeiten in Teilzeit, auch in Führungspositionen

Führen in Teilzeit ist ein weiterer Trend, den die New Work Experten beobachten. Nadine spricht dabei auch aus eigener Erfahrung, denn in ihrem letzten Job hat sie selbst als Führungskraft in Teilzeit gearbeitet. Sie hatte damals auf einen festen freien Tag in der Woche bestanden, jedoch Flexibilität zugesichert. Wenn es mal mehr zu tun gab, ging sie auch an ihrem freien Tag ins Büro und nahm sich stattdessen einen anderen Tag frei oder verlagerte diesen auf einen der nächsten Wochen. Nadine resümiert:

 „Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass ich in dieser Zeit die bessere Führungskraft war. Ich konnte viel entspannter und mit viel mehr Abstand auf Dinge schauen. Auch gerade in Krisensituationen konnte ich die Leute wieder besser einfangen und mich besser auf das Wesentliche fokussieren.“

 

Da ich selbst seit einiger Zeit dieses Modell praktiziere, kann ich gut nachempfinden und bestätigen, was Nadine damit meint. Doch ich weiß auch, dass es nicht immer einfach ist, den Chef von diesem Modell zu überzeugen.

Tipp der New Work Experten: Gehört man zu den ersten, die vorschlagen in Teilzeit zu arbeiten, sollte man offen und flexibel für einen Kompromiss sein. Möglicherweise sind die Vorgesetzten eher dazu geneigt, den Vorschlag umzusetzen, wenn man es zunächst nur für drei Monate oder ein halbes Jahr ausprobiert. Funktioniert es nicht, ist es ebenso wichtig die Gründe für das Scheitern zu finden und es gegebenenfalls zu einem anderen Zeitpunkt erneut zu versuchen. Denn: „Manche guten Pläne funktionieren einfach zu bestimmten Zeitpunkten nicht“, berichtet Nadine.

Trend Nr. 3 – Für mehr Vielfalt und Sicherheit durch Jobsharing

Sven Franke ist der Überzeugung, dass es auch immer wichtiger für Organisationen wird. „Wer in Teilzeit arbeitet, der sieht viel mehr und kann das dann auch wieder zurückgeben.“

Jobsharing ist eine Möglichkeit sich neue Perspektiven zu verschaffen und kann auch für das Unternehmen eine lohnende Möglichkeit sein, Teilzeit und die Anforderungen an eine komplexe Aufgabe unter einen Hut zu bringen. Jobsharing bedeutet, dass zwei Personen sich einen Job teilen. Auf der Hand liegt, dass es persönliches Vertrauen braucht und eine sehr gute Abstimmung zwischen den Kollegen erfordert. Das Thema Individualisierung im Berufsleben wird immer stärker. Sicherlich ist es für die Unternehmen zunächst sehr aufwendig neue Arbeitsmodelle wie Jobsharing in das Tagesgeschäft zu integrieren und ein Gespür dafür zu bekommen, wie es am besten funktioniert. Doch Sven Franke ist auch der Meinung, dass Unternehmen sich in Zukunft gar nicht dagegen wehren können.

Tipp der New Work Experten: Jobsharing ist bestimmt das ungewohnteste und innovativste Arbeitsmodell. Such dir deinen Tandem-Partner und überlegt euch gemeinsam ein Konzept, dass sich umsetzen lässt. Bestimmt ist auch die Personalabteilung ein guter Sparrings-Partner.

Wie finde ich das beste Arbeiten für mich?

Die immer größere Vielfalt an Möglichkeiten stellt viele vor die Frage, welche Arbeitsweise am besten zu einem selbst passt. Natürlich gibt es dafür kein Patentrezept, aber Sven und Nadine haben ein paar hilfreiche Tipps parat, die euch bestimmt weiterhelfen.

Tipp der New Work Experten:  Beobachtet euch immer wieder selbst und achtet auf die Situationen, bei denen ihr besonders im Flow seid. Betrachtet dann euer Umfeld in diesen Situationen und analysiert, was Bestandteile davon waren. Zudem ist es wichtig sich von Glaubenssätzen wie „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ frei zu machen. Denn Arbeit soll im Idealfall auch Vergnügen sein. Auch hilft es, sich frei von eigener Kritik zu machen und sich nicht ständig selbst Normen aufzulegen. Was damit genau gemein ist? Nadine erzählt mir von einer ehemaligen Kollegin, die viel Ruhe brauchte um sich zu konzentrieren. Schwierig in einem Großraumbüro. Sie beschlossen gemeinsam, dass sie, wann immer sie wolle, im Homeoffice arbeiten könne. Oft hat sie es zu Beginn aber nicht gemacht, da sie sich zu viele Gedanken darübergemacht hat, was wohl die Kollegen sagen könnten.

„Jeder hat Spielfelder die er täglich bespielen muss und jeder hat Freiheiten. Man muss diese Freiheiten auch nutzen und […] gucken, was fühlt sich für mich gut an, wo komme ich in den Flow. Einfach mutig sein und viel mehr in den Austausch gehen“ (Sven Franke)

 

Wir wollen mit euch in den Austausch gehen! Womit konntet ihr schon Erfahrungen machen? Welches Arbeitsmodell würde euch reizen? Verratet es uns in einem Kommentar und teilt den Beitrag!


Die beiden Experten sind Gründer der Organisation CO: X, die Unternehmen begleitet, neue Wege in Bereich des New Work gehen wollen. Beide sind Wegbegleiter und Initiatoren der Projekte „AUGENHÖHE – Film und Dialoge“ sowie „AUGENHÖHEwege – Film und Dialoge“.  Nadine Nobile ist ebenfalls Initiatorin des Netzwerks New Work Women und verbreitet nicht nur dort zukunftsorientierte Zusammenarbeitskultur. 2017 wurde Sven Frankes Bemühen um eine bessere Arbeitswelt mit einer Auszeichnung von XING belohnt.

Sie unterstützen die MondayMakers, da sie überzeugt sind, dass jeder Freude und Begeisterung für die eigene Arbeit verdient hat.

Mehr über die Experten:

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Caterine Schwierz ist COO bei von Rundstedt und konnte viele Jahre Erfahrung in der Karriereberatung sammeln. Mit MondayMakers will sie Menschen zeigen, dass man auch glücklich im Job sein kann.

 


 

 

 

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